Familie Wilk bis Wilczewski & Wolf
1. Erster Nachweis der Familie
Unsere Familiengeschichte beginnt in Pommerellen in unmittelbarer Nähe zwischen den Städten Karthaus (Kartuzy) und Danzig (Gdansk) im heutigen Polen. Von der katholischen Diözese Prangenau (Pręgowo Dołne) beginnen die Kirchenbücher mit den zugehörigen Ortschaften im Jahre 1665 bei Taufen, im Jahre 1669 für Hochzeiten und ab 1714 bei Bestattungen. Darin finden wir die Namen unserer Stammeltern. Dies ist ein Bartholomäus WILK und seine Frau Marianne, welche im Jahre 1669 ihr (erstes?) Kind, einen Sohn Michael aus Nieder Sommerkau (Ząbrsko Dołne), zur Taufe eintragen ließen. Bartholomäus leitet sich vom aramäisch Wort Bar-Tholmai = Sohn des Tholmai (= Sohn des Furchenziehers) ab. In diesem ersten Eintrag wurde des Vaters Nachnamen noch als WILCZEK geschrieben, bei den Geburten der weiteren Kinder, dann aber als WILK (welches im deutschen WOLF bedeutet). Es ist anzunehmen, dass unser Stammvater Bartholomäus vor dem Jahre 1650 geboren wurde, damit hätte er zur Geburt eines Kindes eine gewisse Altersreife.
Die Familie lebte zu einer Zeit als im Nachbarstaat, dem Deutschen Reich, der Dreißigjährige Krieg zu Ende gegangen ist (1618 bis 1648) und im Jahre 1648 Jan Kasimir II. König von Polen wurde.
Ab 1654 – 1660 wütete in diesem Landstrich von Pommerellen der zweite schwedisch-polnische Krieg. Dies könnte daher der Grund für die verlorenen oder vernichteten vorherigen Kirchenbücher, vor den Eingangs erwähnten Daten, sein. Daher lassen sich weitere Informationen zum genauen Geburtsort sowie Geburtsdatum von Bartholomäus und seiner Frau wahrscheinlich niemals ermitteln.
Nach dem Sohn Michael wird in unserer direkten Familienlinie, in einem Abstand von 5 Jahren, am 11. März 1674 unser Casimiro WILK im hiesigen Taufbuch eingetragen. Seine Taufeltern waren Casimirus SIMOTOWICZ und Anna KRISOWA.
Da es weder in seinem Taufeintrag noch in den Einträgen der drei weiteren Geschwistern einen Hinweis auf den Beruf des Vaters Bartholomäus gab, sollten wir davon ausgehen, dass diese dem Bauernstand, womöglich dem unfreien, angehörten. Unfrei war der Grossteil der polnischen Landbevölkerung zu jener Zeit.
Casimiro war das letzte Kind der Familie von Bartholomäus und Marianne welches in Nieder-Sommerkau (Ząbrsko Dolne) zur Welt kam. Zwischen 1674 bis 78 erfolgte ein Umzug in die Ortschaft Stangenwalde (Jodłowno), welche damals noch den Namen Stegwald trug. Am 17.04.1678 kommt dort der dritte Sohn mit dem Namen Albertus zur Welt.
Diese Ortschaft gehörte, wie Sommerkau und Czapielken, seit 1617 dem Jesuiten Orden aus Altschottland bei Danzig. Der Umzug wurde sicherlich zur weiteren Besiedlung und Bebauung der Ortschaft durchgeführt.
Inwieweit die Familie den Sieg Ihres neuen Königs Sobieski (1624 – 1696) über die Türken vor Wien mitbekommen haben (1683) bzw. wie sehr die Familie unter dem zweiten Nordischen Krieg (1700 – 1721) gelitten hatte, können wir nur erahnen.
Um einen Eindruck zu erhalten wenden wir uns dem Tagebuch von Prior Georg Schwengel aus dem Kloster Karthaus zu. Die Ortschaften Smolsin und Babenthal im Kreis Karthaus gehörten zum Klosterbesitz. Hieraus lassen sich einige Vergleiche anstellen, welche sich auf den zweiten schwedisch-polnischen sowie den späteren zweiten Nordischen Krieg beziehen. Zwei Passagen aus diesem:
„1655…Inzwischen war König Carl Gustav mit seinem großen Kriegsherr am 16.August in Polen eingerückt und hatte sich mit großer Schnelligkeit Warschau`s bemächtigt. Der König Johann Casimir floh nach Krakau und von hier, da sich Niemand für ihn erhob, nach Schlesien. Die alte Hauptstadt des Reiches fiel in die Hand des siegreichen Feindes. Am 21. September zog ein Teil der brandenburgischen Armee durch Karthaus und am 24. abermals eine solche. Im Oktober brach ein Teil des schwedischen Heeres in das Platinat Pommern, besetzte Schwetz, Tuchel, Konitz und andere Städte. Am 9. Oktober plünderten die Schweden unser Vorwerk Grabau und raubten unter Anderem hier 40 Pferde,……“
„Im Jahr 1700 begann der Krieg zwischen Polen und Schweden, der durch viele Jahr hartnäckig fortgeführt ward…..In diesem Jahr erpressten die Sachsen 10.100 Gulden von uns. Ihnen folgten die Polen und entrissen uns 4.500 Gulden umgerechnet alle anderen Lieferungen, Leistungen und Bedrückungen. 1701 am 15. Februar rückten 60 Soldaten unter Kapitän Pircha vom Regiment Brandt in unsere Güter Smolzin, Malkow und Silhno und verweilten hier 2 Nächte, dann zogen sie nach Kulpin, Gorrentschin, Klobuezing und Grabau, wo sie nicht nur Geld, sondern auch noch Zeugnisse ihres Wohlverhaltens mit Stockschlägen erpressten…..“.
Diese schlimme Zeit überstand die Familie wohl recht gut, da bisher keine Zeugnisse bekannt sind, welches auf eine Teilnahme der männlichen Familienmitglieder bei den Kämpfen sowie auf eine besonders hohe Sterblichkeitsrate schließen lassen.
Casimiro WILK heiratete während des Krieges, im Alter von 39 Jahren, am 12.11.1713 in Stangenwalde (Jodłowno) seine Ehefrau Regina NEKLANSZEKOWNA. Es gingen in den folgenden Jahren aus dieser Ehe 9 Kinder hervor, welche alle in Stangenwalde (Jodłowno) auf die Welt kamen. Casimiro selbst verstarb jedoch am 31.01.1741 in Groß Czapielken (Czapelsko).
Das erste Kind seiner zahlreichen Nachkommen ist unser weitere Vorfahre mit dem Namen Jacobo WILK (Jacobo/Jacobus bedeutet der Nachgeborene oder Gott schützt (hebr.-latein.) siehe Apostel Jakobus), welcher am 3.07.1718 als erster Sohn geboren wurde. Seine Taufpaten waren Michael ZEA und Marianna WILKOWNA.
Mit 29 Jahren, am 15.10.1747, heiratete Jacobo eine Frau mit dem Namen Marianne KRUZOWNA in Ihrem Wohnort Czapielken (Czapelsko). Zeugen waren Antonio LEWANDOSKI und einer seiner Verwandten mit dem Namen Casimiro WILK.
Letztere Person hatte zwar seines Vaters gleichen Vornamen, doch verstarb dieser schon 5 Jahre zuvor in dieser Ortschaft. Siedelte die Familie mit Ihrem ältesten Sohn und Kindern vielleicht schon vor dem Jahre 1741 nach Czapielken (Czapelsko)? War dies der Grund warum sein Vater hier verstarb und nicht in dem Geburtsdorf seiner Kinder in Stangenwalde (Jodłowno)?
Jacobo gründete jedenfalls in Groß Czapielken (Czapelsko) mit seiner Frau Marianne eine Familie aus welcher 8 Kinder hervorgingen.
Im weiteren Lebensweg von zwei Nachkommen von Jacobo, teilen sich die ersten zwei uns bekannten Hauptlinien welche bis heute reichen:
1. Ast mit dem Namen „Linie Smolsin“…
…dieser geht auf die Geburt seines Sohnes Simon zurück, welcher am 26ten Oktober 1755 in Groß Czapielken (Czapelsko) getauft wurde. Auf diese (heute) evangelische Linie beziehen sich alle mir bekannten „Wolfschen“-Verwandten in Deutschland.
2. Ast mit dem Namen „Linie Mahlkau“…
…dieser geht auf seinen Sohn Martinus zurück, welcher am 10ten November 1761 ebenfalls in Groß Czapielken (Czapelsko) geboren wurde. Die Nachkommen, dieser noch heute katholischen Linie, ist die Familie WILCZEWSKI in Danzig sowie verschiedene Familien in und um Karthaus.
Jacobo verstarb am 4.03.1777 in Ostroschken (Ostrózki) Kreis Karthaus. Das er in einem entfernten Ort von Czapielken (Czapelsko) verstorben war, könnte mit seiner Pflege als sogenannter Altsitzer bei einem seiner Kinder zusammenhängen.
2. Linie Smolsin und der Weg nach Königsberg
Simon WILK wurde am 26ten Oktober 1755 in der St. Nikolauskirche in Czapielken (Czaplesko) getauft. Die Taufpaten waren Andreas RECHT & Christina KRUZOWNA.
Um das Jahr 1784/85 heiratet Simon eine Frau mit dem Namen Eva STROMSKA, da am 26.10.1786 ihr erster Sohn Martin Simon WILK in Smolsin (Smołdzino) zur Welt kam. Der kirchliche Heiratseintrag von Simon und Eva konnte bisher nicht gefunden werden, da es in Westpreußen Tradition war die Verlobte in Ihrer Heimatgemeinde zu ehelichen. Der Nachname der Eva als Eva STROMSK ergibt sich erst aus einer späteren Todesanzeige Ihres Dritt geborenen Sohnes Matthias, jedoch bleibt ihr Geburtsort weiterhin im dunkeln.
Als die erste Teilung Polens im Jahre 1772 durchgeführt wurde, war Simon erst 17 Jahre alt. Mit dieser Teilung kam auch die Aufhebung des unfreien Bauernstandes, was somit eines der bedeutesten Verbesserungen war, und damit die Grundlage der späteren Erwerbungen.
Nach Martin Simon wurden noch 5 weitere Kinder in Smolsin (Smołdzino) geboren. Aufgrund der Kenntnis über den Namen des erst geborenen, wissen wir das die Familie tatsächlich dem Bauernstand angehörte. Das erste nachweisende Dokument ist eine Hypothekenakte aus dem Gericht in Karthaus von 1842 in Bezug auf das Jahr 1809. In diesem heißt es:
„Der Martin Wolff, welcher mit seiner Ehefrau, der Anna geb. Trepczik in der statuarischen Gütergemeinschaft lebt, von seinen Eltern, den Simon und Eva Wolffschen Eheleuten, als die Hälfte des ihnen zugehörigen B(od. L?)ären(?)hofes von überhaupt 4 Hufen 7 Morgen 69 #(Quadrat-)Ruth(en) Magdeb(urgischen Maßes?) gemäß gerichtlichen Vertrages vom 30ten Mai 1809 für Pr.(eußisch?) Courant abgetreten erhalten, und ist, nachdem diesen Trenn(?)stücken, mit Genehmigung der königl. Regierung zu Danzig ein besonderes Hypothekenfolium gewidmet worden und demselben titulus possessionis fuer ihn und seine genannte Ehefrau ex decreto vom 20ten Januar 1842 berichtigt.
Ctr. Gez Akt. fol. 38″
Hypothekenakte von 1842
Dieser „Bären- oder Lärenhof“ wurde entweder von Simon und Eva erworben, vielleicht durch Heiratsaussteuer bezahlt, oder ging durch Erbschaft in seiner oder Eva`s Familie in seinen Besitz über.
Beide Ehepartner verstarben in selbigem Ort Smolsin (Smołdzino). Simon am 13.07.1833 an Entkräftung und Eva am 26.02.1838.
(Anmerkung: Die Ortschaft Smolsin (Smołdzino) ist nicht mit einem gleichlautenden Ort in Pommern (bei Bütow) zu verwechseln.)
Eines von den insgesamt fünf Kindern, ist in direkter Stammlinie unser Matthias WILK (Matthias bedeutet Gottes Geschenk (griech.-hebr.)). Er wurde am 20.02.1798 in Smolsin (Smołdzino) geboren und in Seefeld (Przodkowo) Gleichtags in der Apostel Andreas Kirche getauft. Die Taufpaten waren Michael JESCYKOWSKI und Barbara ZELKOWSKA.
Als dieser 8 Jahre und sein Vater 53 Jahre alt waren, erklärte Preußen einen unvorbereiteten Krieg gegen Frankreich. Im Herbst 1806 zogen Napoleons Truppen vom Westen her nach Brandenburg und schon am 27ten Oktober 1806 in Berlin ein. König Friedrich Wilhelm III (1770 – 1840) und sein Hofstaat setzte sich nach Ostpreußen ab. Von dort leistete dieser bis zum Frieden von Tilsit, am 7. und 9. Juli 1807, mit Hilfe Russlands noch Wiederstand. Danzig kapitulierte am 26. Mai 1807 und wurde danach von Napoleon zum Freistaat erklärt.
Die Besetzung Preußens und Zahlungen von hohen Kontributionen blieb bis Winter 1813/1814 bestehen.
Als Napoleon bei seinem Winterfeldzug gegen Russland scheiterte und sein flüchtendes Heer in Richtung Westen zog, setzten die sogenannten Befreiungskriege ein. Ob und wo die männlichen Familienmitglieder der Familie in dieser Zeit in der ein oder anderen Truppe dienten und kämpften, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
Wenden wir uns nochmals der Hypothekenakte aus Karthaus zu. Durch diese wissen wir, dass der älteste Bruder von Matthias, ein Martin (*26.10.1786) und Ehefrau Anna geb. TREPCZIK, ab 1809 die Hälfte des väterlichen Hofes gegen Bezahlung übernahmen. Dessen Sohn Johann übernahm diesen dann ab 1840 ebenfalls gegen eine geringe Bezahlung und eines lebenslangen Leibgeding für die Eltern sowie im Falle eines früheren Ablebens jener die Übernahme der Fürsorge für die jüngste Tochter Catherine. Darüber hinaus wurde eine Ausbezahlung von 50 Preußischen Courant an die 3 Töchter Rosalie, Anna und ebenfalls der jungen Catharine vereinbart. Im Jahre 1857 kaufte Johann von den Eheleuten Johann ZIELKE denn Glemboki See (wenige Kilometer von Smolsin entfernt). 4 Jahre später im November 1861 verkauft er (zwischenzeitlich als Eheleute Johann und Marianna geb. BYCZKOWSKA) das ganze Grundstück inkl. See unter Smolsin Nr. 60 für 1.000 rf um damit im Jahre 1864 für 1.200 rf das Grundstück Smolsin Nr. 10 zu erwerben.
Unser Matthias heiratete am 18.11.1822 in Smolsin (Smołdzino) eine Anna STEFANOWSKI und aus dieser Ehe gingen 11 Kinder hervor. An diesem Tage fungierten Josef STEFANOWSKI und Johann WILCZEWSKI als Trauzeugen.
Am 26.01.1890 verstarb Matthias im Alter von bemerkenswerten 92 Jahren in Smolsin (Smołdzino) und wurde am 29.01.1890 in Seefeld (Przodkowo) unter dem Familiennamen WILKZEWSKI, und nicht unter seinem Taufnamen WILK, begraben. Der Familienname der Kinder, registriert in den Taufbüchern in Seefeld (Przodkowo), wechselten schon zu Lebzeiten verschiedentlich zwischen Wilk, Wilczewski und Wilkowski. In den Hypothekenakten wurde sein Name und Familie leider niemals vermerkt.
Als 8tes Kind von Matthias und Anna ging in weiterer Stammfolge Johann WILKCZEWSKI am 28ten Mai 1839 hervor. Die Taufe erfolgte in 2 Tagen Abstand in Seefeld (Przodkowo) am 30ten Mai 1839 mit den Taufpaten Martin STAROSCZK und Catharina BYCZKOWSKA. Am 4ten November 1861 heiratete er Susanne DIESING in Ihrem Geburtsort Placy im Kreis Neustadt. Diese Ortschaft beherbergte circa 55 Personen. Johann wird in verschiedenen Taufdokumenten als Arbeiter bezeichnet.
Wann und wo Johann sowie seine Frau Susanne verstorben sind, konnte bisher nicht festgestellt werden.
Nach der Geburt von 2 Töchtern und 2 Söhnen wurde am 21. Februar 1875 unser Ur-Großvater Anton WILKOWSKI per Taufschein in der katholischen Apostel Andreas Kirche in Seefeld (Przodkowo) am 23. Februar 1875 beurkundet. Seine Taufpaten waren Anton BARGOSKI und Antonia BARGOSKA aus Smolsin (Smołdzino).
Da es ab 1875 Standesämter in Deutschland gab, konnten wir seine Geburt auch per Amtsweg verfolgen und fanden seinen Geburtseintrag vom 21. Februar 1875 auf dem Standesamt in Seefeld (Przodkowo). Dieser beinhaltete jedoch den Familiennamen der Eltern als WOLF und nicht gemäß katholischer kirchlicher Eintragung mit WILKOWSKI. Hier ist nochmals auf die Hypothekenakte des Bären- oder Lärenhof hinzuweisen. Schon im Jahre 1842 (das Datum des Aufsetzens) wurde verzeichnet „Der Martin Wolff, welcher mit seiner Ehefrau, der Anna geb. Trepczik…“ oder „von seinen Eltern, den Simon und Eva Wolffschen Eheleuten…“. Hier also wurde der Nachname Wolf sogar mit doppeltem „ff“ geschrieben und somit fand bei amtlichen Handlungen der deutsch klingende Familienname Verwendung.
Im Alter um die 25 Jahre erlernte Anton ab 1900 für drei Jahre den Beruf des Müllers. Bei seiner Hochzeit mit Helene Leschinski am 06.10.1901 in Bohlschau Kreis Neustadt wurde er als Müllergeselle tituliert und sein Familienname weiterhin mit „WOLF“ eingetragen.
Ungefähr 6 Monate vor seiner Hochzeit mit Helene wurde am 13. April 1901 in Soldau Kreis Neidenburg Ostpreußen bereits seine Tochter Frieda WOLF geboren. Inwieweit solch eine „voreheliche“ Geburt aufsehen erregte bzw. von den Eltern vielleicht auch vertuscht wurde, kann man heute nur erahnen.
Bei der Geburt seiner zweiten Tochter Marie WOLF am 07. April 1903 († ?) in Worle, Kreis Neustadt, Westpreußen war er dann als von Beruf Müller in den standesamtlichen Unterlagen eingetragen. Nach den Aussagen seiner Tochter Gertrud und Nichte Charlotte wechselte er später den Beruf des Müllers zum Mühlenbauer bzw. Mühlenbescheidner und dies setzte eine intensive Reisetätigkeit seiner ganzen Familie voraus. Während dieser ruhelosen Zeit wurden noch zwei weitere Kinder, nach Frieda und Marie, geboren. Dies waren Gerhard WOLF, in Soldau, Ostpreußen und Bruno WOLF, in Warlubien, Westpreußen.
Es war um das Jahr 1910 als seine Ehefrau Helene mit ihren 3 bis 4 Kindern nicht mehr Willens war durch das Land zu ziehen. So beschloss die Familie sich in Königsberg, Ostpreußen nieder zu lassen. Am 16.08.1912 wurde dort der Sohn Kurt geboren, welcher aber im II. Weltkrieg in der Kesselschlacht um Smolensk, Russland am 22. Januar 1942 um sein Leben kam. Zwei Jahre später, am 22.07.1914, wurde Paul Hans geboren. Er ist der Begründer der heutigen Linie Bodensee.
Einwohnerbuch Königsberg mit Eintragung Anton Wolf, Beruf Monteur, Unterhaberberg 20
Wie sehr diese Großfamilie unter dem I. Weltkrieg und der darauf folgenden großen Rezession gelitten hat (Stichwort: schwarzer Freitag), können wir heute nicht nachvollziehen. Anton war ein sehr sparsamer Mensch, welcher, in den Erinnerungen seiner Tochter und Nichte, ein Einzelgänger war. Warum er solche Eigenschaften aufzeigte könnte vielleicht in Erlebnissen des ersten Weltkrieges liegen (laut seiner Tochter hatte er im Krieg teilgenommen, wobei durch Kriegseinwirkung keine Dokumente/Bilder vorhanden sind) oder Gründe in der Trennung zur Familie in Smolsin haben. Es ist kein Dokument bekannt in welchem er z.b. einen Taufpaten übernommen oder auch nur über andere Familienmitglieder in der Familie gesprochen hatte. Die Familie lebte in der Hinteren Vorstadt 21. Später, gemäß des Einwohnerbuches aus Königsberg aus dem Jahre 1929, in der Unterhaberberg 20. Beide Straßen lagen in der sogenannten Altstadt von Königsberg und damit in der Nähe des Schlosses.
Hintere Vorstadt Königsberg / vor dem I. Weltkrieg
Am 01. September 1939 beginnt der II. Weltkrieg mit dem Überfall des Deutschen Reiches auf Polen. Alle wehrfähigen Männer werden in diesem Krieg herangezogen, auch alle aus der Familie Wolf. In diesem Krieg kamen circa 50 Mio. Menschen zu Tode. Nach den anfänglichen Erfolgen der Wehrmacht und Besetzung vieler Anrainerstaaten des Deutschen Reiches sowie der Verbündeten, kommt ab 1943 der Vormarsch und damit die Idee des Blitzkrieges zum stoppen. Es beginnen die Alliierteninvasionen in Sizilien, Normandie sowie verlorene Kesselschlachten wie Stalingrad. Der Rückzug beginnt und am 16. Oktober 1944 überschreitet die Rote Armee das erste Mal im Zweiten Weltkrieg die deutsche Reichsgrenze.
Königsberg blieb, aufgrund seiner entfernten Lage im Nordosten des Deutschen Reiches, lange Zeit von den Kriegsgeschehnissen verschont. Jedoch in den Nächten vom 26. zum 27. August 1944 sowie vom 29. zum 30. August 1944 wurde es von Bomberverbänden Großbritanniens stark zerstört. Weite Teile Königsbergs brannten über mehrere Tage. Der historische Stadtkern, bestehend aus den Stadtteilen Altstadt, Löbenicht und Kneiphof war praktisch vollständig zerstört, darunter der Dom, das Schloss, sämtliche Kirchen der Innenstadt, die alte und die neue Universität sowie das alte Speicherviertel. Etwa 200.000 Königsberger waren obdachlos geworden.
Am 13. Januar 1945 beginnt die russische Offensive mit der Schlacht um Ostpreußen welche bis zum 25. April 1945 andauert. Die Rote Armee überrollt die deutsche Wehrmacht, die Ostfront bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Tage später fallen Krakau und die Reste des völlig verwüsteten Warschau, sowjetische Truppen stehen bei Breslau und Frankfurt an der Oder. Der Gauleiter Ostpreußens, Erich Koch, weigert sich, den Befehl zur Evakuierung der Zivilbevölkerung zu erlassen. Und während sich die Parteileitung nach Westen absetzt, bleiben Alte, Frauen und Kinder im Frontgebiet zurück. Wer vorher packt und flüchtet, wird erschossen. Erst als russische Panzer unmittelbar vor der Tür stehen, kommt der Evakuierungsbefehl. Überstürzt raffen die Ostpreußen einige wenige Sachen zusammen, nur 25 Kilogramm darf jeder mitnehmen. Bei klirrender Kälte und zum Teil hüfthohem Schnee flieht die ostpreußische Bevölkerung gen Westen.
Am 25. Januar 1945 erklärt Hitler Königsberg zur Festung.
Ostpreußen ist zu diesem Zeitpunkt schon abgeschnitten, eine Flucht nach Westen auf dem Landweg daher unmöglich. Die letzte Rettung sind die Häfen im Norden Ostpreußens: Danzig, Pillau und Gdingen. Dort wartet eine eilig zusammengewürfelte Armada von Booten und Schiffen, um die über 2,5 Millionen Flüchtlinge zu retten. Laut Eintragung von Tochter Gertrud Schulz geb. Wolf auf der Rückseite eines Familienbildes sowie aus ihrer Erzählung zur Flucht aus Königsberg, verhielt es sich in etwa so:
Paul kämpfte im Pionier-Bataillon 1 welche zur 1 Infanterie Division gehörte. Diese Division organisierte von Januar bis März 1945 Rückzugskämpfe über Insterburg bis Heiligenbeil sowie die Abwehrkämpfe in der Festung Königsberg. Paul erschien in der zerbombten und brennenden Stadt bei seiner Frau Frida sowie seiner Schwester Gertrud um diese zwei Frauen zum verlassen der Stadt zu bewegen. Diese willigten ein und am Abend dem 10 März 1945 gingen Gertrud, Frida Minna Baumdicker, Ihre Mutter „Oma“ Baumdicker, Söhne Manfred und Siegfried mit dem Lazarettzug vom Nordbahnhof aus von Königsberg nach Pillau (Hafen). Sie kommen am 11 März 1945 um 8.00 Uhr morgens an.
Da zu dieser Zeit keine Schiffe verfügbar bzw. schon überfüllt sind, werden sie in Baracken untergebracht. Um 8.30 Uhr morgens dem 15. März 1945 erfolgte ein Artillerieeinschlag neben der Baracke. Oma Baumdicker war sofort Tod. Frida und Manfred schwer verletzt. Gertrud bekam nur ein paar Splitter ab and das Trommelfeld am linken Ohr war beschädigt. Manfred verstarb Tage später am 21.03.1945 in Pillau (gem. Altpreußische Geschlechterkunde Band 24).
Nach dem 21.03.1945 kamen Gertrud, Frida (schwer verletzt) und Siegfried auf die MS Mars nach Dänemark. In der ersten Nacht verstirbt auch das 4-monatige Kind Siegfried an Lungenentzündung (Todesdatum 01.04.1945).
Nach Ankunft in Dänemark werden die Flüchtlinge ebenfalls wieder in Baracken untergebracht, diesmal unter eigener deutscher Bewachung um Übergriffe von Dänen zu verhindern. Frida Minna Baumdicker überlebte zwar die Schiffsfahrt, verstirbt dann aber dennoch geschwächt an den folgen ihrer Verletzungen am 2. Juli 1945 in Dänemark. Also zwei Monate nach Kriegsende. Nur Gertrud hat überlebt!
Es ist Ende März/Anfang April 1945! Frieda Wolf, ihre Tochter Charlotte mit den Großeltern Anton Wolf und Helene Wolf geb. Leschinski sind noch in Königsberg. Was tun? Sie entscheiden sich zum ausharren. Immerhin glaubte ein Grossteil der Bevölkerung noch an Hitlers Endsieg und im 1. Weltkrieg kamen schon einmal Russen nach Ostpreußen und gingen wieder. Doch diesmal sollte es anderst kommen!
Vom 6. April bis zum 9. April 1945 führten die Truppen der 3. Weißrussischen Front mit Unterstützung der Baltischen Flotte die Königsberger Angriffsoperation durch. Deutsche Truppen, die die Stadt verteidigten, verfügten über 130.000 Soldaten, 4.000 Geschütze, 108 Panzer und 170 Flugzeuge, die Truppen der Roten Armee hingegen über 5.200 Geschütze, 538 Panzer und 2.400 Flugzeuge. Am Abend des 6. April gelang es der sowjetischen 39. Armee die Eisenbahnlinie Königsberg-Pillau zu unterbrechen, wie schon zwei Monate zuvor. Die sowjetische 43. Armee drang zuerst in die Stadt ein. Nach zwei Tagen schwerer Kämpfe wurde die Garnison der Stadt vom Samland abgeschnitten.
Die eingeschlossenen deutschen Verbände lehnten am 8. April die von der Sowjetunion angebotene Kapitulation der Stadt ab. Am Morgen des 9. April versuchten die deutschen Truppen sich nach Westen durchzuschlagen. Die 43. Armee verhinderte den Ausbruch. Der Angriff der deutschen 5. Panzerdivision vom Samland aus blieb erfolglos. Nach langem Beschuss griff die 11. Gardearmee unterstützt von 1.500 Flugzeugen das Stadtzentrum an und zwang die Garnison zur Kapitulation. Hitler verurteilte daraufhin den Kommandanten der Stadt Otto Lasch in Abwesenheit zum Tode durch den Strang. 42.000 deutsche Soldaten waren gefallen und weitere 92.000 gingen in sowjetische Kriegsgefangenschaft, darunter 1.800 Offiziere, 4 Generäle und Otto Lasch. 2.000 Geschütze, 1.652 Mörser und 128 Flugzeuge der Wehrmacht wurden erbeutet.
Die Hintere Vorstadt / Grosse Sandgasse waren schon abgebrannt und Frieda, Charlotte sowie Großeltern Anton & Helene lebten zu dieser Zeit in Königsberg-Rosenau bei Bekannten. Nach eintreffen und dem Sieg der Russen wurde Charlotte mit vielen anderen Frauen nach Preußisch Holland verschleppt. Diese armen Frauen wurden sehr geschunden und nur mit Glück überlebte sie und wurde auch von den Soldaten wieder nach Königsberg zurück gebracht.
Am 8. Mai kapitulierte das Deutsche Reich. Charlotte war zwar krank aber am Leben und es machten sich alle Vier, inklusive des damaligen Verlobten von Charlotte mit dem Namen Hans, auf den Weg in Richtung Westen. Die Flucht führte zunächst in Richtung Woldegk in Mecklenburg. Dort verblieben Frieda, Anton und seine Frau Helene. Helene verstarb in diesem Ort an Typhus am 5. November 1945. Charlotte und Hans zogen indessen weiter in eine kleine Stadt vor den Toren Berlins da dort Verwandtschaft von Hans lebte. Sie erreichten diese Ortschaft im September 1945, später holte Charlotte Ihre Mutter Frieda sowie Großvater Anton nach.
4. Eine polnisch / deutsche Familie
Wie in den obigen Abhandlungen – von 1674 bis zu den tragischen Ereignissen des Jahres 1945 – ist und waren wir eine Familie mit polnisch-deutscher Vergangenheit. Ob nun unsere Vorfahren über Jahrhunderte in der Kaschubei ansässig waren und dem kaschubischen Volk angehörten, damit würde sich der geführte Nachname WILK(zek) erklären; oder vor 1674 bzw. 1650 mit der Besiedelung des Ostens durch den deutschen Orden in die Region von Karthaus kam, was bedeuten würde das diese den Nachnamen WOLF führten und diesen später polnisierten, lässt sich heute mit letzter Gewissheit nicht feststellen.
In unserer Linie & Familienkreis gab es viele Namensänderungen. Solche wurden meist in das deutsche Wort „Wolf(f)“ geändert. Ein weiteres Dokumente ist ein aufgesetztes Schreiben vom Standesamt Danzig an den Pfarrer in Seefeld. In diesem Dokument lesen wir wie Johann WILKOWSKI geboren 16.05.1855 in Smolsin, Sohn von Michael WILCZEWSKI (Onkel von Anton WILKOWSKI / WOLF), im Jahre 1904 nach seiner Ankunft in Danzig eine Namensänderung beantragt und auch erhält. Von dieser Zeit an heißt er Johann Wolff.
Bild 4: Namensänderung von Wilkowski zu Wolff / 1904
Die Verfügung mit dem Textlaut wie folgt:
Danzig, 10. November 1904
Dem Pfarramt übersenden wir anliegend eine beglaubigte Abschrift des Taufscheins des am 16. Mai 1855 zu Smolsin geborenen und am 20. dess(elben) Monats in der dortigen Kirche getauften Johann Wilkowski mit dem Ersuchen, das Taufregister sowie den Taufschein durch Eintragung folgenden Vermerks unter ausdrücklichem Hinweis auf die gegenwärtige Verfügung zu vervollständigen. „Dem Johann Wilkowski ist durch Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten zu Danzig am 20. Oktober 1904 A I 1071/10 ? die Genehmigung erteilt worden, an Stelle des Familien- und Vaternamens „Wilkowski“ fortan den Namen „Wolff “ zu führen. Der Anzeige von Geschehenem unter Wiedervorlegung des vervollständigten Taufscheins sehen wir binnen 3 Wochen entgegen.
gez. Unterschrift
An Kath. Pfarramt in Seefeld





Beeindruckend. Ich bin noch ganz weit weg von solcher Tiefe. Weiter als bis zum Grossvater Theo WOLF (Vater Edmund WOLF) aus Schlesien komme ich nicht: dafür bin ich dank weiterer Familienmitglieder mütterlicherseits (SCHLENTNER) aus dem Memelland in der 8. Generation rückwärts. Viel Glück und vielleicht kommen wir irgend wann zusammen😉
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Wünsche ebenfalls weiterhin viel Freude & Spürsinn! MW
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