Familie Jetschmanegg

Familie Jerschmenk bis Jetschmanegg

Erster Nachweis der Familie

Nach heutigem Stand der Familienforschung stammt das Geschlecht der Jetschmanegg`s von einem Mann mit dem Nachnamen Franciscus JERSCHMENEK.

Um 1799 lagerten im Süden von Baden das Österreichische Infanterie Regiment Nr. 7 in den Orten von Gottmadingen sowie im 4 km entfernten Dorf Bietingen. In diesem lebte Maximiliane Pfleger (*12.10.1767 / † 30.01.1838) mit Ihren Eltern Vitus Pfleger und Marianne geb. Wider. In ihrem 33 Lebensjahr taufte sie, am 05.09.1800, in der St. Gallus Kirche ihren Sohn mit dem zukünftig bedeutungsvollen Namen Nikolaus Valentin JETSCHMANEK. In den Taufbüchern der katholischen Kirche in Bietingen wurde des Knaben Vater als „ein Soldat des Karl Schröder Regiments aus Böhmen mit dem Namen Franciscus Jerschmenek“ ausgewiesen und mit dem Zusatz „illegitimus“ (unehelich). Aus diesem Eintrag lässt sich ableiten – das zum einen Maximiliana und Franciscus zum Zeitpunkt der Geburt nicht verehelicht waren (auch nach der Geburt konnte kein Hochzeitseintrag gefunden werden) sowie ist der Sohn ab diesem Zeitpunkt der Begründer der heutigen Sippe Jetschmanek bzw. Jetschmanegg. Sollten diese Aufzeichnung korrekt sein, kommt somit der Familiennamen aus dem Slawischen und bedeutet auf deutsch „Gerstenkorn (Ječmen)“.

Doch was macht ein Böhmischer evtl. Mährischer oder Galizier (der Werber-Rayon des Regimentes war seit 1771 in Mähren der Prerauer Kreis mit der Stabs-Station Leipnik und von 1775 – 1807 der Aushilfsbezirk Samborer Kreis in Galizien) während des Zweiten Koalitionskrieges in Bietingen? Was war das für eine bewegte Zeit von 1799 bis 1801?

Nachdem aus der Schweiz 1798 die Helvetische Republik geworden war (in der französische Truppen stationiert blieben), wurde der Hegau zum umkämpften Grenzland, als die Franzosen Anfang März 1799 dort einmarschierten. Damit brach der Zweite Koalitionskrieg aus und die französische Revolutionsarmee lag erneut im Hegau, nachdem sie im Ersten Koalitionskrieg 1796 schon einmal hier durchgezogen waren. Doch lange blieben die Franzosen zunächst nicht, denn sie mußten den Hegau Ende März 1799 schon wieder verlassen, da sie am 21. März bei Ostrach und am 25. März bei Stockach entscheidend von den Österreichern geschlagen worden waren. Aber für den Hegau, von dem damals noch große Gebiete als Landgrafschaft Nellenburg zu Österreich gehörten, war das keine große Entlastung. Nun mußten eben die österreichischen Soldaten verpflegt werden und der „Besuch“ des Kaiserbruders Erzherzog Karl in Stockach, Engen und Singen, der zu anderen Zeiten sicherlich als Großereignis gefeiert worden wäre, war nicht unbedingt willkommen, weil der Erzherzog als Oberbefehlshaber der Österreicher etwa 60.000 Soldaten in seinem „Gefolge“ hatte. Erst der Mai brachte den Hegauern etwas Erleichterung, da die Österreicher am 22./23. Mai 1799 bei Diessenhofen nun ihrerseits in die Schweiz einrückten und dort die Franzosen in der Ersten Schlacht von Zürich besiegten. Doch dann mußten viele Hegauer an dem großen Brückenkopf arbeiten, den die Österreicher nahe Büsingen auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins errichten ließen, um ihre Schiffsbrücken über den Rhein gegen französische Angriffe zu sichern. Darüber hinaus sollte es nicht allzu lange ruhig bleiben. Ende August 1799 marschierten knapp 25.000 Russen, die mit den Österreichern verbündet waren, durch den Hegau in die Schweiz, um dort die Österreicher abzulösen. Während der südliche Hegau die Russen ernähren durften, hatte der nördliche Hegau das „Vergnügen“, erneut fast die gesamte österreichische Armee verpflegen zu dürfen. Aber die Truppenrochade in der Schweiz mißlang. Am 25./26. September 1799 wurden die Russen in der Zweiten Schlacht von Zürich nahezu aufgerieben. Nur noch Trümmer der Armee konnten sich über den Rhein retten. Da die Versorgung zusammengebrochen war, aßen die russischen Soldaten rohe Kartoffeln und unreife Trauben. Als sie Mitte Oktober wieder nach Osten abzogen und die Österreicher erneut an den Hochrhein vorrückten, gab es im südlichen Hegau Landstriche, in denen kaum noch etwas Eßbares vorhanden war. Dafür aber wurde es im Spätherbst 1799 im Hegau erneut etwas ruhiger. Auf der politischen Weltbühne ereignete sich hingegen am 9./10. November 1799 ein spektakulärer Militärputsch, mit dem sich der junge General Napoleon Bonaparte in Paris an die Macht brachte. Um seine Macht zu stützen, brauchte er glänzende militärische Erfolge. Die sollte ihm sein General Moreau, der Ober-kommandierende der französischen Rheinarmee, liefern, während er selbst auf dem Kriegstheater in Norditalien aktiv werden wollte. Der Frühling 1800 begann im Hegau daher mit einem Paukenschlag. Am 1. Mai 1800 überquerten mehr als 20.000 Franzosen der Rheinarmee innerhalb weniger Stunden den Rhein bei Hemmishofen und vertrieben die im Hegau stationierten Österreicher.

Dieser Coup verunsicherte die überalterte Besatzung des Hohentwiels so sehr, daß sie sich noch am gleichen Tag den Franzosen ergab. Nachdem sich die im Hegau stehenden Franzosen mit weiteren 50.000 Mann vereinigt hatten, die eiligst vom Hochrhein und Südschwarzwald heranmarschiert waren, besiegten sie in der Schlacht von Engen am 3. Mai 1800 die 50.000 Österreicher unter ihrem neuen Oberbefehlshaber Kray. Die Hegauer erlebten derweil ihre schwersten Stunden. Viele versuchten, in die umliegenden Wälder oder zu Bekannten zu flüchten, doch als sie zurückkehrten, fanden sie leere Wohnungen vor. Die völlig unterversorgten französischen Soldaten hatten alles ausgeplündert. Der Siegeszug der Franzosen war nun unaufhaltsam. Sie drängten die Österreicher in mehreren Schlachten zunächst bis nach Ulm und später sogar bis an die Isar zurück, während Bonaparte in Italien ebenfalls einen spektakulären Sieg feierte. So beendete ein Waffenstillstand am 14. Juli 1800 zuerst einmal die Kämpfe. Doch für den Hegau änderte sich dadurch wenig. Nun mußten wieder einmal die Franzosen versorgt werden, die dafür bekannt waren, daß sie noch schlechter zahlten als die Österreicher. Während ihres schnellen Vormarsches hatten die Franzosen den Hohentwiel zunächst als Nachschubbasis verwendet, doch nun benötigten sie ihn nicht mehr. Anfang Oktober 1800 begann die Schleifung der Festung. Ende November 1800 brach auch der Krieg erneut aus. Schon kurze Zeit später, am 3. Dezember 1800, wurden die Österreicher bei München endgültig geschlagen.

Ob unser Alturgroßvater, der Soldat Franciscus JERSCHMENEK, aus den unzähligen Gefechten Lebend zurück kam, muss wohl sehr bezweifelt werden. Aus der Regimentsgeschichte ist zu entnehmen:

„1800 fand das Regiment, zur Bewachung der Rheinstecke Schaffhaufen-Stein postiert, bei dem Übergang der Franzosen unter Moreau erneut Gelegenheit zur Auszeichnung, indem es mit heldenhafter Standhaftigkeit den überlegenen Angriffen durch acht Stunden Widerstand, hierbei jedoch 800 Mann einbüsste; bei Engen erlitt es abermals bedeutende Verluste, so dass aus dem Regimente nur ein Bataillon formiert wurde, welches als Besatzung nach Ulm kam. Die beiden anderen wurden in Ober-Österreich reorganisiert, wohin auch das oben erwähnte Bataillon nach dem Fall von Ulm rückte. Das Regiment sodann bei der Verteidigung von Braunau mitgewirkt. Die Grenadiere bei Engen, Mooskirch brav gefochten; bei Hohenlinden wurde das Bataillon versprengt, ein Teil gefangen, die Reste fochten bei Anthering.“

Sein Sohn Nikolaus Valentin JETSCHMANEK überlebte mit seiner Mutter Maximiliana diese schwere Zeit. Er heiratete in Bietingen mit 28 Jahren am 24.11.1828 eine Anna Maria BUCHER welche in Zimmerholz bei Engen in Baden geboren wurde. Nikolaus übte den Beruf des Maurers aus. Aus dieser Ehe gingen 10 Kinder hervor (wobei 3 Kinder schon im ersten Lebensjahr wieder verstorben sind). Nikolaus verstarb am 28.04.1862 und wurde am 30.04.1862 in Bietingen begraben. Anna Maria verstarb 11 Jahre später am 6.04.1873 ebenfalls in Bietingen.

Nach der Geburt von drei Söhnen wurde am 10.05.1833 in direkter Stammlinie unsere Altmutter Elisabeth JETSCHMANEGG geboren. Ab dieser Zeit wandelte sich auch die herkömmliche Schreibweise des Familiennamens – aus der Endung „k“ wurde ein „gg“. Über das Leben von Elisabeth ist nicht viel bekannt; bis auf die Tatsache das sie zwischen 1857 bis 1870 eine Tochter und drei Söhne unehelich zur Welt gebracht hat. Das zweite Kind, nach der Geburt der Tochter mit dem Namen Luzia, war der weitere Vorfahre mit dem traditionellen Vornamen Nikolaus JETSCHMANEGG.

Nikolaus wurde am 31.03.1863 ebenfalls in Bietingen geboren & getauft. Irgendwann nach 1870 musste Elisabeth ihren zukünftigen Ehemann Jakob FORSTER, ein Schuhmacher aus Ermatingen in der Schweiz, kennen gelernt und/oder vermittelt bekommen haben. Im Eheregisters von Ermatingen wurde eine Verlobung der beiden Personen mit Datum 16.02.1873 eingetragen und die Heirat nach fast 1 Monat später, am 10.03.1873, begangen. Der Ort der Hochzeit wurde im Eheregister von Ermatingen als Bietingen, Deutschland eingetragen, jedoch lassen sich in den Kirchenbüchern von Bietingen diese Hochzeiteintragung nicht ausfindig machen. Es ist daher anzunehmen das „nur“ standesamtlich geheiratet wurde. Elisabeth verstarb im Alter von 66 Jahren am 21.10.1899 in Fruthwilen, Kanton Thurgau.

Ihr Sohn Nikolaus JETSCHMANEGG siedelte in der Mitte seines 20ten Lebensjahres nach Konstanz und lebte in der Nähe der Schweizer Grenze, in der Kreuzlingerstrasse 54. Er übte den Beruf eine Taglöhners bzw. Stadtarbeiters aus. Dieses geht zum einen aus der Hochzeitseintragung des Konstanzer Münster Pfarrers hervor sowie bei der Taufeintragung seines Sohnes Josef Nikolaus. Am 29.11.1892 heiratete er die Fabrikarbeiterin Sophia Hof im Konstanzer Münster. Trauzeugen an diesem Tage waren der Schuhmacher Jakob Forster (Ehemann von seiner Mutter Elisabeth) sowie Kanzleiassistent Franz Walter aus Kreuzlingen. Des weiteren wurde eingetragen „Die Brautleute erklären, dass sie das Kind Namens „Karl“ , welches die Braut am fünfzehnten Februar des Jahres tausend acht hundert achtzig und neuen (15.02.1889) zu Allmendshofen geboren hat, als ihr natürliches Kind hiermit anerkennen.“ Seine Frau Sophia verstarb nach 40 Ehejahren am 8.11.1932 und wurde am 10.11.1932 in Konstanz begraben. Er selbst lebte noch weitere 16 Jahre in welchen er sich nicht nochmals verheirate. Sein Todesdatum ist der 18.04.1948.

Aus dieser Ehe ging ein gemeinsames Kind mit dem Namen Josef Nikolaus JETSCHMANEGG hervor. Dieser wurde am 11.12.1897 geboren und am 02.01.1898 im Konstanzer Münster getauft. Die Taufpaten unseres Altvaters waren Friedrich Nehler und Laura Hof. Mit 23 Jahren heiratete er in der St. Stephan Kirche in Konstanz Frau Pauline Wilhelmine SCHMID, Dienstmagd welche in Langenargen geboren wurde. Die Trauzeugen am Hochzeitstag dem 05.06.1920 waren die Fabrikarbeiter Ernst Jetschmanegg und Hermann Dreher aus Konstanz. Das Ehepaar lebte zu diesem Zeitpunkt am Sankt Stephansplatz Nr. 43. …..

7 Responses to Familie Jetschmanegg

  1. Avatar von Jetschmanegg Manfred Jetschmanegg Manfred sagt:

    Ich habe Interesse an weiteren Informationen über die Vergangenheit der Familie Jetschmanegg.

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  2. Avatar von Walter Jetschmanegg Walter Jetschmanegg sagt:

    Hallo, sehr spannend! Wie ging es weiter?
    Viele Grüße Walter

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  3. Avatar von Manfred Jetschmanegg Manfred Jetschmanegg sagt:

    Mich würde interessieren wie es weiterging.

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